Waldbegehung am Tag des Waldes
Der kommunalpolitische Ausschuss der SPD mit den Vorsitzenden Klaus Berger und Erwin Vollmer nutzte den Tag des Waldes für eine ausgiebige Waldbegehung mit Revierförster Winfried Herden.
Der Wald darf nicht vorrangig als Wirtschaftsgut, das Erträge bringt, gesehen werden, sondern als unverzichtbar für das Klima und als Erholungsfaktor, resümierte Winfried Herden.
Dieses Jahr ist bereits das zweite Jahr mit extremer Trockenheit und Hitze und dieser Klimawandel führt zu großen Schäden im Wald. Trockenheit und Schädlinge setzen den Bäumen stark zu. Der Zeller Wald mit insgesamt rund 1500 ha bewegt sich höhentechnisch zwischen 420 m am Grendel und dem Zeller Blauen mit rund 1000 m. Die Struktur des Zeller Waldes ist gemischt, etwa 50% sind Nadelhölzer und 50% Laubwälder. Am stärksten von Trockenheit und Käfern betroffen ist der Fichtenbestand. Wenn die Fichte vom Borkenkäfer befallen ist, dann ist das ihr Todesurteil, so Winfried Herden. Insbesondere an den Südhängen sieht man die Schäden an der Fichte. Im Zeller Stadtwald setze man vor allem auf Naturverjüngung, d.h., die Altbestände samen sich selber aus. Ergänzt wird die Naturverjüngung durch die Anpflanzung zusätzlicher Baumarten. Vorteile der Naturverjüngung sind, dass keine Kosten für den Kauf von Pflanzen und Pflanzarbeiten anfallen erläuterte Winfried Herden. Nicht mehr angepflanzt werde die Fichte, sondern die Douglasie, die aus Nordamerika kommt und sich als resistenter gegen Trockenheit und Hitze erweise. Des weiteren habe man für die Douglasie gute Absatzmärke, was im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit des Waldes durchaus von Bedeutung sei. Herden wies darauf hin, dass der Wald ein langfristiges Projekt sei, da man immer erst nach Jahren bzw. Jahrzehnten sehen könne wie die Bäume auf geänderte klimatische Bedingungen reagieren. Die Prognose der forstlichen Versuchsanstalt für den Zeller Stadtwald ist, dass es bis zum Jahr 2050 kaum mehr geeignete Standorte für die Fichte gibt. Alle 10 Jahre finde eine Art Inventur im Wald statt und anhand der daraus gewonnenen Erkenntnisse wird für die Zukunft geplant.
Der Holzeinschlag betrug in der Vergangenheit im Stadtwald etwa 10.500 Festmeter pro Jahr und geht derzeit etwas nach oben in Richtung 11.000 Festmeter. Gefragt sind möglichst dicke Bäume, durch die Klimaveränderung und den Käferbefall sterben alte Bäume jedoch ab und müssen früher gefällt werden. Das Problem ist, so Herden, dass im gesamten europäischen Gebiet derzeit sehr viel Holz auf den Markt komme, da alle Länder gleichgelagerte Probleme hätten und der Holzpreis im Keller ist. Herden erläuterte die enorme Bedeutung des Waldes als CO2 Speicher. Eine Fichte beispielsweise entzieht im Laufe ihres hundertjährigen Lebens der Atmosphäre fast zwei Tonnen CO2. Verrottet oder verbrennt die Fichte wird das Kohlendioxid also 1:1 wieder freigesetzt. In einem nachhaltig bewirtschafteten Wald tritt an die Stelle der natürlichen Zersetzung die Holznutzung zum Bauen und Wohnen. Damit verlängert sich die Speicherwirkung des CO2 über die Lebensdauer der Bäume hinaus. Diese Form der nachhaltigen Holznutzung wird vom Forst in Baden-Württemberg praktiziert und hilft, den CO2 Anstieg in der Atmosphäre zu bremsen.
Ortsvorsteher Kai Berger wollte wissen, ob der Forst mit genügend Personal ausgestattet sei. Winfried Herden äußerte sich zufrieden mit der Personalsituation. Der Löwenanteil der Arbeit sei die Holzernte, dort arbeite man auch mit externen Firmen. Die Aufforstung und das Anpflanzen von Bäumen erledigt er gerne mit eigenen Leuten.
Fraktionsvorsitzender Thomas Kaiser wies darauf hin, dass man die Veränderungen im Wald auch bei den anstehenden Haushaltsberatungen berücksichtigen müsse und bedankte sich bei Winfried Herden für sein Engagement.
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